Goldener Oktober – Videonachtrag

Ich war ja mit Rolf im Knüllwald unterwegs – und der ist großer Foto- und Videograf. Da wollte die Tenere nicht hinten an stehen und auch Fahraufnahmen haben.

Ich find, die sind ganz gut geworden. Und eines ist für die junge Generation vom Vertical Video Syndrome befallen. Und unter 30s kurz sind sie auch um die maximale Aufmerksamkeitsspanne nicht über zu strapazieren. Ich würde sagen, alles richtig gemacht :-).

Vielen Dank an Rolf für die Videos!

Und noch zwei Fotos: Über die Gauseköte in Lippe…

…und im hohen Meißner.

Goldener Oktober

Die Wettervorhersage meint, daß es dieses Wochenende zu warm und sonnig für die Jahreszeit wird. Das hör ich gern! Habe dann mal schnell eine Dreitagestour zusammengeklickt. Stützpunkt ist das bewährte Hotel Sonneck im Knüllwald. Und Rolf – mit dem ich in Island war – kommt mit.

Ich möchte seiner GS ja nicht zu nahe treten – aber so im direkten Vergleich zur Tenere ist die schon fett 🙂 .

Die nächsten Tasge werden uns durch eine Auswahl der deutschen Mittelgebirge führen: Teutoburger Wald – Eggegebirge – Knüllwald – Sauerland – Meißner – Südharz – Leinebergland.

Der erste Abstecher sollte einmal auf der Kopfsteinpflasterstraße quer über den Truppenübungsplatz Senne gehen. Aber die Schranke ist zu und die roten Fahnen flattern im Wind hängen schlaff an ihren Masten. Das wird also nichts – und zeichnet sich als Haken oben links in der Karten ab.

Macht aber nichts – es geht weiter auf kleinen Straßen meist durch gelb gefärbten Buchenwald ‘gen Süden.

Wenn nicht überall Blätter rum liegen würden, könnte man es glatt für Frühling halten. Wäre mir auch recht…

Planmäßig wird die Unterkunft erreicht, es ist noch Zeit für Wellnessprogramm, bevor es zum Abendessen geht. Vier Gänge sind im Preis enthalten – und wir werden wie erwartet micht entäuscht.

Am nächten Tag ist eine Runde durch das Sauerland geplant.

Bitte parken Sie vorschriftsmäßig!

Das ist natürlich auf dem Parkplatz einer Touristenfalle am Edersee:

Der ist übrigens ganz schön leer. Da wird der Bootsverleiher zum Treppenbauer!

An anderer Stelle erscheinen sonst unter Wasser befindliche Felsen im Gegenlicht.

Die Tenere hat sich unterwegs einen blinden Passagier eingefangen:

Was ist das wohl? Heutzutage muß man um das rauszubekommen ja keine angestaubten Bücher mehr wälzen – man fragt einfach das Oracel von Mountain View:

Aha – eine Amerikanische Kiefernwanze.

Die ist aber nicht hierfür verantwortlich – das war der Kollege Borkenkäfer:

Der sorgt nicht nur im Harz für Kahlschlag, sondern auch im Sauerland.

Die üben den bösen Blick. Aber ich glaub, wenn die nicht in der Gruppe sind, sind die ängstlich…

…aber ausprobieren tue ich das lieber nicht!

Am Sonntag früh gehts – wegen Zeitumstellung pro forma früher als sonst – zurück in den Norden. Der morgendliche Knüllwald hat im Tal noch Nebel zu bieten…

…aber schon im nächsten ist davon nichts mehr zu sehen und wir fahren wieder einem sonnigen und warmem Herbsttag entgegen.

Unterwegs in irgendeinem Dort an der Dorfkastanie:

Es hat sich jedenfalls gelohnt, kurzentschlossen das verlängerte Wochenende genutzt zu haben. Es war angenehm warm – Mittags über 20°C – und trocken. Wir sind viel auf kleinen Straßen herum gekommen, viele durch Waldgebiete. Da muß man zwar etwas auf Laub auf der Straße aufpassen – aber der Blick auf die bunt verfärbten Bäume entschädigt dafür.

Insgesamt knappe 1000km in drei Tagen – mit für mich untypisch langen Pausen. Das ist wohl der schlechte Einfluss von Rolf.

Da tropft es…

…vom Dach:

Wie kommt man da ran? Der Dachdeckler ohne Gerüst gar nicht. Also haben wir und mal einen Industriekletterer kommen lassen:

Und das war Schuld: Diese Klemme – die dort offenbar schon seit Jahrzenten drin liegt auf der sich nun so viel Moos abgesetzt hatte, daß der Wasserabfluss dicht war. Wie immer die da oben in die Regenrinne gekommen ist. Denn bis letztes Jahr gab es auf der Seite vom Dach nichtmal ein Ausstiegsfenster…

Ansonsten sehen die Regenrinnen wohl gut aus. Ist auch kein Wunder, denn es gibtg keine Bäume in der näche die so hoch sind, daß ihre Blätter aufs Dach fallen könnten. Das einzige was sich mit der Zeit ansammeln kann ist Moos.

44.444km

Die Tenere 700 ist nun die ersten Saison bei mir und ist dabei ordentlich rumgekommen:

Zeit für ein erstes Fazit:

Ich fahr die sehr gerne – paßt genau in mein Anforderungsprofil. Nicht ohne Grund gibt es dieses Jahr eine augesprochen hohe Fahrleistung. Und auch wenn die Saison fast vorbei ist wird sich das hoffentlich noch etwas hinziehen bis das Wetter arg zu schlecht wird, so dass noch einige tausend Kilometer hinzu kommen sollten. Irgendwie will ich gar nicht wieder absteigen…

Erwartungsgemäß gab es mit dem Motorrad keine Probleme – außer den regelmäßigen Inspektionen im 10.000km Abstand und den normalen Verschleißteilen wie Reifen und Bremsbelägen war nichts zu machen. Selbst der erste Kettensatz ist noch drauf, der wird jetzt aber wohl nur noch einige tausend Kilometer halten. Dennoch – für Werksausrüstung ist das eine gute Haltbarkeit.

Und wie haben sich die Farkles so gemacht, die ich zum Saisonbeginn angebaut habe?

  • Bobbins: Hab ich kaum benutzt, denn der Heckständer ist für die Husky eingestellt und meist steht die da drauf. Zum Reifenwechsel hab ich den Teleskopständer verwendet  – wie ich es auch bei den anderen Motorrädern mache. Die Bobbins waren daher eigentlich überflüssig, gibts beim nächsten Motorrad nicht nochmal. Auf Grund des geringen Preises aber auch nichts was ich bereue.
  • Fußrasten: Hab ich welche von Touratech angebaut. Die tun ihrn Job und sind ansonsten unauffällig. Würd ich wieder nehmen.
  • Kettenführung: Hab ich augenscheinlich einen chinesischen Nachbau des Yamaha Zubehörteiles. Trotz des niedrigen Preises gibt es nichts zu klagen.
  • Kettenöler: Bei der Tenere habe ich erstmals einen elektronisch gesteuerten Kettenöler mit Dosierpumpe statt den an den anderen Motorrädern verwendeten Schwerkraftölern verwendet. Damit ist bei Temperaturänderungen kein Nachjustieren der Ölmenge mehr nötig. Die Dosierpunpe von Dell’Orto (den Erfindern der Fertigungstoleranz) war von Begin an geringfügig undicht. Seit ich die gegen ein anderes Farbrikat getauscht habe läuft das zuverlässig und völlig störungsfrei. Das ist sicher auch ein Grund für die ausgesprochen lange Lebensdauer des Kettensatzes. So eine wartungsfreie Kette ist schon sehr angenehm – nur alle 20.000km mal den Öl-Vorratsbehälter auffüllen. Werd ich beim nächsten Motorrad wieder so bauen.
  • Seitenständervergrößerung: Die ist dieses Jahr im Balkan irgendwann abgefallen, obwohl die Schrauben mit Schraubensicherung fixiert waren. Wird nicht ersetzt, denn der original-Fuß ist meist groß genug. Außerdem stand die Tenere mit der Vergrößerung steiler auf dem Seitenständer – für mein Gefühl zu steil (aber ich bin auch BMW G650GS gewohnt, die einen sehr kurzen Seitenständer hat).
  • Scheibenverstellung: Die chinesische Scheibenverstellung ermöglicht für wenig Geld die Scheibe deutlich höher zu stellen. Dadurch habe ich jetzt keine Windgeräusche mehr am Helm. Die kleinen Rämdelschrauben sind etwas fummelig – aber nach wenigen Versuchen hatte ich die für mich optimale Einstellung gefunden und seitdem ist die Scheibe da fixiert. Andere Ausführungen – z.B. die von Kedo –  sind kürzer und hätten für mich keine ausreichende Verstellung ermöglicht.
  • Lenkererhöhung: Tut was sie soll. Sie hat keine ABE – die von Touratech angebotene hat aber auch keine, bei einem vielfachen des Preises. Die schwarz brünierten chinesischen Schrauben neigen am Innensechskant zum Rosten. Das fand die Werkstatt hässlich und hat bei der letzten Inspektion Plastikkappen drauf gemacht. Nun sieht mans nicht mehr.  Mir wärs egal gewesen…
  • Kofferträger: Eines der wenigen Qualitätsprodukte aus westlicher Hemisphäre statt vom Chinesen nebenan. Ist stabil aus Stahlrohr gebaut, ordentlich pulverbeschichtet und bis jetzt korrosionsfrei – wie man es bei dem Preis auch erwarten muss. Da gibts nichts dran zu mäkeln.
  • Satteltaschen: Da hat die Tenere günstige Satteltaschen vom Chinesen nebenan bekommen. Die Materialstärke ist klar geringer als bei den Wolfman-Taschen vom kleinen nervösen Motorrad. Dennoch: Ich habe die jetzt eine Saison fast durchgängig dran. Auf der Balkan Tour ist ein Gurt durchgescheuert, weil ich den über eine scharfe Kante geführt hatte. Selbst Schuld. Hab ich repariert und anders befestigt, nun passiert das nicht mehr. Das sind universelle Satteltaschen, nicht speziell für den montierten Kofferträger gefertigt. Die Paßgenauigkeit auf der Tenere ist so lala – es geht, aber was typenspezifisches wäre sicher besser – aber sicher auch deutlich teurer. Die Taschen sind weiterhin wasserdicht und völlig in Ordnung. Gut gefällt mir der im Rollverschluß angebrachte Klettverschluß, der das Einrollen vereinfacht. Unter Berücksichtigung des Preises eine Empfehlung.
  • Werkzeugrolle: Das an Werk mitgelieferte Bordwerkzeug ist leider sehr rudimentär und qualitativ völlig ungenügend – ein Fall für die Altmetallkiste. Ich habe das Bordwerkzeug selbst zusammengestellt – und wohnen tut es in einem HT Rohr an Kofferträger. Das funktioniert – wie schon beim kleinen nervösen Motorrad – sehr gut.
  • USB-Anschluss: Der Tenere habe ich eine doppel-USB Dose spendiert. Das schadet nichts, aber da ich von meinen anderen Motorrädern alles was Strom braucht auf 12V Bordspannungssteckdose ausgelegt habe, habe ich die fast nicht benutzt. Würd ich trotzdem wieder anbauen, kostet nämlich fast nix und die Nutzung kommt vielleicht noch…
  • Heizgriffe: Die Tenere hat Heizgriffe vom Chinesen nebenan bekommen. Die funktionieren einwandfrei und zeigen auch keinerlei Anzeichen für Verschleiß. Die kleinste Heizstufe ist fast einen Tick zu stark bei Dauerbetrieb. Auf voller Leistung heizen die sehr kräftig auf – das kann man auf Dauer nicht fahren. Nachteilig ist daß die Heizungssteuerung nach Zündung aus die Heizgriffe immer abgeschaltet läßt (und nicht in den vorherigen Zustand zurück schaltet). Die Bedienung mit langen und kurzen Tastendrucken ist umständlich und die über verschiedenen Leuchtfabren des Tasters angezeigte Heizungsstufe ist bei Sonnenschein nahezu nicht erkennbar. Da wäre ein mechanischer Stufenschalter statt einer elektronischen Eintastenbedienung sinniger gewesen.