Corona Update

Es war hier zu dem Thema lange ruhig – und insgesamt hat sich das ja bisher ganz erfreulich entwickelt. Es gab eine stetige Abnahme der Neuinfektionen und der aktiven Fälle, so daß sich das irgendwann totlaufen wird. Die positive Entwicklung hat diverse Lockerungen der Maßnahmen möglich gemacht und auch intertnationales Reisen ist momentan wieder möglich.

Ich beobachte die Thematik allerdings seit einiger Zeit mit Sorge – denn die positive Entwicklung hat sich umgekehrt. Dazu einige Diagramme, wie sie von D. Kriesel freundlicherweise ständig aktuell erstellt werden.  Hier interessant ist die dicke schwarze Linie, die die geglättete tägliche Abnahme oder Zunahme der aktiven Fälle anzeigt. Ist sie unter Null, so ist alles gut. Liegt sie drüber, so breitet sich Corona wieder stärker aus.

Und so sieht es momentan in Deutschland aus:

Deutschland

Seit rund einer Woche steigen die aktiven Fälle wieder an – zur Zeit mit einer Rate von ca. 5% täglich.

Täglich 5% Zinsen hätte ich gerne auf meinem Bankkonto – aber das ist nichts, was man bei einem Pandemieverlauf sehen will. Man findet in Europa nur Schweden mit einer ähnlichen Ausbreitungsrate, und auch weltweit sind inzwischen fast alle Länder darunter angekommen.

Und um sicher zu gehen, daß man später noch weiß wer daran schuld ist hier die Diagramme der verursachenden Bundesländer:

Los gehts mit Berlin:

Berlin

Schon seit Ende Mai stetig steigende Fallzahlen mit zunehmender Tendenz. Und man bekommt es nicht in den Griff. Naja – wenn man dem Kiezneurotiker glaubt gibt es in Berlin in Regierung und Ämtern sowieso nur Nichtskönner, also war nichts anderes zu erwarten. Das Bundesland Berlin hat nur das Glück vergleichweise wenig Einwohner zu haben, so daß der prozentuale Anteil zum Gesamtergebnis kleiner ist als es hier scheint.

Nordrhein-Westfalen:

NRW

Ein heftiger Ausbruch der an der 10% Marke kratzt. Und der Ober-Lockerer Laschet hat nichts weiter zu tun als das runterzuspielen. Die jetzt von Ihm ergriffenen Maßnahmen sind nur halbherzig und kommen zu spät. Warum es aus den betroffenen Landkreisen kein Ausreisevorbot gibt verstehen nicht nur die Chinesen nicht – auch die Österreicher und Bayern wundern sich. Dabei haben doch die Spanier mit dem anfangs nicht verhängten Ausreiseverbot aus Madrid eindrucksvoll bewiesen, daß man  dadurch effektiv für eine Ausbreitung über das ganze Land sorgt!

Es sollte doch inzwischen jedem klar sein, daß nur schnelles Handeln eine Verbreitung begrenzen kann. Durch die lange Inkubationszeit sind ja – sobald man einen Schwellwert von 50 je 100.000 Einwohnern erreicht hat – schon viel mehr unerkannt angesteckt. Und der Schwellwert von 50 ist schon sehr hoch angesetzt – und in Gütersloh lag er über 200. Wozu legt man eigentlich Werte fest, wenn man hinterher drauf scheißt?

Und der letzte in der Hall of Shame: Sachsen Anhalt:

Sachsen Anhalt

Wie NRW – nur länger und stärker. Da fällt mir nichs mehr zu ein.

Alle anderen Bundesländer liegen unter Null oder nur mal kurzzeitig geringfügig drüber. Wenn es also zu einer zweiten Welle kommt, wisst Ihr, wem Ihr danken könnt.

Ich bin ein großer Freund des Föderalismus – aber man muß hier klar feststellen, daß das gemeinsame Ziel der Eingrenzung der Corona-Pandemie durch nur drei unverantwortlich handelnde Bundesländer gefährdet wird.

Da sollte man mal drüber nachdenken, ob es nicht eine übergeordnete Stelle geben sollte, die im Zweifel mit dem Hammer drauf schlägt wen die Landesregierungen ihren Aufgaben nicht nachkommen. Das hätte auch für die Landespolitiker den Vorteil, daß sie einen Schuldigen hätten und nicht selbst für die unpopulären Maßnahmen einstehen müssen.

Kann man da nicht eine künstliche Intelligenz für nehmen 😉 ?

Ich hasse es …

…Recht zu haben. Ich hatte am 14. März für Spanien und Deutschland zum Monatsende jeweils 100.000 COVID-19 Fälle vorhergesagt. Und das ohne irgendwelche komplizierten Simulationen – sondern einfach aus einer Analogiebetrachtung der zu diesem Zeitpunkt bekannten Entwicklung in China.

Alle Zahlen und Diagramme im folgenden vom Worldometer von heute. Die Zahlen für Deutschland sind vom 1. April, 14:03h. Das dürften also so ungefähr die Zahlen für Ende März sein, es dauert ja immer etwas bis das in der Statistik ankommt.

Aber wie ist denn nun der Stand:

1. April 2020, 14:03h

Interessant ist auch die vorletzte Spalte, in der die Anzahl der Fälle auf die Bevölkerungszahl bezogen wird.  Während man aus der ersten Spalte schließen könnte, daß wir es ungefähr so gut oder schlecht im Griff haben wie China, sieht man an der vorletzten Spalte daß wir mindestens eine Größenordnung schlechter sind. Und in China ist es inzwischen ziemlich unter Kontrolle – wir sind noch mitten drin!

Aber – Du hattest doch gar nicht recht! Da fehlen doch noch 25.000. Stimmt – wenn man das auf einer linearen Skale ansieht:

Lineare Skale

Aber wir haben es hier mit einer Exponentialfunktion zu tun. Sowas kommt in der (Elektro)technik häufiger vor, und es hat sich bewährt, solche Funktionen auf einer halblogarithmischen Skale darzustellen: Die y-Achse ist nicht in der Folge 1-2-3-4 usw. geteilt, sondern 1-10-100-1000 usw.

Halblogarithmische Skale

Diese Art der Skalierung wandelt die Darstellung der Exponentialfunktion in eine Gerade, die sich einfacher auswerten läßt. Im Nebeneffekt sieht es auch so aus, als wenn wir  nur noch um Haaresbreite von den 100.000 entfernt sind – und das trifft die Realität besser.

Und warum zeige ich Euch das? Weil die Grafik etwas Hoffnung macht! Ich habe in der obigen Grafik den Verlauf mal in zwei Abschnitten durch Geraden angenähert:

Halblogarithmische Skale

Die rote Gerade zeigt, daß wir vom 5. März bis 20. März ein praktisch konstantes exponentielles Wachstum hatten. Am 20. März macht die Kurve einen Knick und kann seitdem mit der flacher verlaufenden grünen Gerade angenähert werden. Wir sind zwar immer noch im Bereich exponentiellen Wachstums – konnten das aber verlangsamen. Leider reicht das als Ziel nicht aus – die Kurve muß möglichst schnell soweit gedreht werden, daß sie waagerecht verläuft.

Wenn man das erreicht hat und die Fallzahl einige Zeit konstant geblieben ist kann man zum nächsten Schritt übergehen. Das würde ich für Deutschland gegen Ende April erwarten. Dazu brauche ich glücklicherweise nichts zu schreiben, denn das findet sich ab Kapitel 4 im Artilel von Tomas Pueyo:  The Hammer and the Dance, auch in deutscher Übersetzung.

Coronavirus SARS-CoV-2, COVID-19: Zwei verlorene Jahre (?)

Die COVID-19 Pandemie ist in aller Munde. Es sind bis vor kurzem unvorstellbare Maßnahmen dagegen angeordnet. Wir sind momentan noch in der Phase des exponentiellen Wachstums der Fälle – jeder Infizierte steckt 2-3 Gesunde an, die dann jeder wiederum 2-3 neue Infizierte hervorrufen und so weiter. So funktioniert das exponentielle Wachstum. Wie in der Legende vom Reis auf dem Schachbrett.

Es ist also klar, daß man dagegen was tun muß. Und wir werden Ende nächster Woche sehen, daß der Anstieg der Neuinfektionen langsamer wird. Daß das so lange dauert, liegt an der Inkubationszeit von ca. 14 Tagen – alles was man macht, wirkt erst rund 14 Tage später. Das macht die ganze Sache nicht einfacher.

Wenn man soweit ist, daß jeder Infizierte nur noch einen Gesunden ansteckt bleibt die Zahl der Infizierten konstant, und wenn man die Rate unter 1 bekommt, so wird die Anzahl sinken.

Ich finde es auffallend, daß immer nur die Rede von vorübergehenden Maßnahmen ist, mal zwei Wochen, mal bis nach Ostern. Aber was kommt danach? Und da sehe ich keine guten Nachrichten.

Das einfachste wäre natürlich, daß es eine Impfung gibt. Aber die muß erstmal entwickelt werden, dann durch klinische Tests um die Wirksamkeit und Unschädlichkeit zu bestätigen, dann muß das massenhaft produziert und weltweit ausgebracht werden. Da bekommen dann zuerst die Risikogruppen was, bis Otto Normalbürger dran ist, ist es im allerbesten Falle Weihnachten 2021. Und das ganze funktioniert natürlich nur, wenn das Virus nicht lustig vor sich hin mutiert und jedes Jahr in einer anderen Variante kommt, wie es die gemeine Influenza tut. Impfungen werden uns also so schnell nicht zur Verfügung stehen.

Ich erwarte, daß wir gegen Ende März den Anstieg der Infiziertenzahl bei ca.  100.000 stoppen können. Und dann? Darüber hört man praktisch nichts.

Es gibt dann aus meiner Sicht zwei Optionen:

Zum Einen kann man versuchen, die Infiziertenzahl auf nahe Null zu senken, so wie China es versucht und auch weitgehend geschafft hat. Die melden immer mal wieder Null Neuinfizierte. Das bedeutet daber, daß die bestehenden Maßnahmen noch einige Monate weiter bestehen und sicher auch weiter verschärft werden müssen. Schließlich muß man für eine Weile die Neuansteckungsrate auf Null halten. Und dafür sind die bestehenden Maßnahmen nicht ausreichend.

Und selbst dann ist das Virus nicht aus der Welt – es wird also immer wieder zu Infektionsherden kommen, die man wegen der langen Inkubationszeit und der unspezifischen Symptome erst entdeckt, wenn es sich schon 2 Wochen ausgebreitet hat.

Bei diesem Szenario kann man dann Schulen und Firmen nach und nach wieder öffnen – aber erhebliche Reise- und Ausgangsbeschränkungen werden bestehen bleiben, um die immer wieder auftretenden Ausbrüche lokal zu begrenzen und die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu verlangsamen. Das ganze muß man durchhalten, bis eine Impfung nahezu flächendeckend ausgebracht ist – siehe oben. Keine schönen Aussichten für die nächsten zwei Jahre.

Zum Anderen kann man die Infiziertenzahl auf einem Pegel stabilisieren mit dem das Gesundheitssystem so grade noch zurechtkommt. Und das könnten 100.000 Infizierte sein – von denen dann 10.000 ernsthaft erkranken. Dazu paßt, daß die Bundesregierung grad mal 10.000 Beatmungsgeräte bestellt hat.

Man muß dafür die Neuinfektionsrate bei 1 halten nachdem man einmal seine Zielgröße erreicht hat. Das ist allerdings ein schwieriges regelungstechnisches Problem. Die Wirksamkeit der Stellgrößen in Form von Schul- und Firmenschließungen, Ausgangsbeschränkungen usw. ist nicht genau quantifizierbar, durch die lange Totzeit von 14 Tagen (Inkubationszeit) sieht man das Ergebnis eines Eingriffes erst zwei Wochen später – und durch das exponentielle Wachstumsgesetz der Ausbreitung ergeben bereits geringe Abweichungen der Stellgröße sehr große Regelabweichungen. Ich denke, jede Firma die sich mit industrieller Regelungstechnik beschäftigt würde eine solchen Auftrag dankend ablehnen. Da kann man nur verlieren.

Aber bei diesem Szenario kommt man mit weniger resriktiven Maßnahmen aus, die auch eher wieder gelockert werden konnen.

China verfolgt Szenario eins und hat ca. 60 Millionen Menschen (die ganze Region Hubei) für ca. 3 Monate in totale Quarantäne geschickt, die erst jetzt langsam wieder aufgehoben wird. Ähnliches wäre für Szenario eins auch für ganz Deutschland zu erwarten. Und ich denke nicht, daß wir unser Land für 3 Monate komplett schließen können oder wollen.

Der Preis dafür ist eine konstant hohe Infiziertenzahl – die auch zu einer entsprechenden Anzahl Toter führen wird. Man tauscht hier – so makaber es ist – Lebensqualität und Wirtschaftsleistung gegen Menschenleben.

Man braucht übrigens keine Hoffnung haben, daß dieses Vorgehen mittelfristig zu einer ausreichenden Herdenimmunität führt. Bei 100.000 Infizierten die für 14 Tage erkranken schafft man so pro Jahr ca. 2,6 Millionen immunisierte Personen. Da zur Eindämmung der Pandemie eine notwenige Herdenimmunität von 70% angenommen wird, braucht man ca. 60 Millionen immunisierte Personen in Deutschland, was mit obiger Rate über 20 Jahre dauern würde. Nun gibt es eine Dunkelziffer – deren Höhe definitionsgemäß unbekannt ist – bei der die Infektion symptomlos abläuft und die uns bei der Erreichung der Herdenimmunität hilft. Dennoch – so hoch daß wir mit ihrer Hilfe innerhalb von 2 Jahren Herdenimmunität erreichen ist sie sicher nicht.

Auch in diesem Szenario ist man also auf eine möglichst schnelle Entwicklung und flächendeckende Ausbringung einer Impfung angewiesen.

Aus meiner Sicht haben wir – auch nachdem die akute Phase des exponentiellen Wachstums der Neuinfektionen gestoppt wurde – nur die Wahl zwischen Pest und Cholera solange kein Impfstoff flächendeckend ausgebracht ist.

Ich hoffe, ich habe mit meinen Ausführungen unrecht. Und es ist ja bekannt, daß Vorhersagen schwierig sind – besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Ich werde jedenfalls die nächsten zwei Jahre wohl keine größeren Urlaube planen. Ich denke, wir können schon froh sein, wenn man irgendwann mal wieder Wochenendausflüge machen kann.