Mombasa – Kapstadt, Tag 15: Hannover

Es ist der dritte Tag nach der OP. Die Pumpe für den Schmerzkatheter wird auf Null gestellt – bleibt aber vorsichtshalber noch drin. Im laufe der nächsten 24h drücke ich da noch dreimal drauf, nicht weil es wirklich weh tun würde, sondern weil die Narben kribbeln und der weiterhin wie ein Luftballon aussehende Fuß spannt. Aber eigentlich nichts, wofür das wirklich notwendig gewesen wäre.
Ich bewege weiterhin den Fuß und das Bein, die Physiotherapeutin ist zufrieden, auch wenn die Schwellung die Beweglichkeit noch deutlich einschränkt.
Eigentlich war für heute nochmal Röntgen angesagt, aber daraus ist irgendwie nichts geworden.

Mombasa – Kapstadt, Tag 14: Hannover

Es ist Sonntag (Nein? Doch! Wusstet Ihr nicht das die Reiseberichte gerne einige Tage hinterher hinken dass ich nicht gleich besorgte Anfragen kiege wenn ich eines Abends mal keine Lust zu schreiben oder kein Internet habe?) und der zweite Tag nach der OP.

Morgens gibts einen Verbandswechsel – für mich als Laien sieht das gut aus. Es ist offenbar alles weitgehed dicht. Später wird noch die Dosierung der Pumpe für den Schmerzkatheter runtergedreht, es bleibt alles gut.

Das Bein und der Fuß sind geschwollen – sieht fast wie ein Luftballon aus. Und viele bunte Farben haben sich inzwischen auch gebildet.

Die Krankenhaus-Essens Challenge führe ich nicht weiter – denn das Essen hier ist sehr konsistent, es gibt jeden Tag das Gleiche. Schließlich hat man ein Qualitätssicherungssystem eingeführt und in der Anwendung. Mir ist da weiterhin zu wenig Frischware dabei und der Brotbelag sehr sparsam dosiert.  Aber das sind Profis hier, ich bin mir sicher das das zum Überleben ausreicht 🙂 . In Tansania wäre ich halt verhungert, wenn ich keinen gefunden hätte der mir was holt.

Mombasa – Kapstadt, Tag 13: Hannover

Erster Tag nach der OP. Kritische Stellen mit Pflaster abgedeckt und ein wenig Mullbinde drum.

Es ist offenbar alles dicht, es leckt nichts. Aber Bein und Fuss sind stark geschwollen. Ich denke, das war zu erwarten.

Gips ist uncool, Gips gibts bei gebrochenem Bein nicht mehr – zumindest nicht wenn sie Metall einbauen.
Irgendwann taucht der Physiotherapeut auf und meint ich soll doch mal aufstehen, ich könne das Bein auch schon belasten, das sei gut. Also mal erste Schritte auf Krücken durchs Zimmer, die werden noch auf die richtige Höhe eingestellt. So richtig traue ich mich noch nicht das zu belasten, auch weil das geschwllene Fußgelenk sich kaum abwinkeln lässt – oder es liegt an dem betäubten Nerv? Aber im Laufe des Tages mache ich immer mal ’ne runde durchs Zimmer, besonders angenehm ist es selbts ins Bad gehen zu können und endlich mal wieder richtig Zähneputzen.
Der Schmerzkatheter mit seiner Betäubungsmittelpumpe funktioniert sehr gut – Schmerzen habe ich praktisch gar nicht.

Weiter mit der Krankenhaus-Essen Challenge: Da konnte ich bei Einlieferung grob besellen was ich haben will – ich habe auf Käse statt Wurst und Obst statt Joghurt optiert, ansonsten normale Vollwertkost.
Frühstück: Zwei weisse Brötchen (OK), Tee (OK), eine Scheibe Käse, je eine Packung Butter Marmelade und Schmelzkäse. Die Belagmenge ist sehr sparsam und reicht eher nicht für 4 Brötchenoberflächen. Macht insgesamt einen ärmichen Eindruck.

Mittagessen: Nudelauflauf mit Tomatensauce, kleiner Joghurt. Schwach gewürzt, Erbsen und Möhrchen aus der Dose. Aber durchaus essbar. Geringe Portionsgröße, aber ich verbrenne hier ja auch keine Kalorien. Daher wohl OK.

Abendessen: Drei Scheiben altbackenes Brot, zwei (!) Scheiben Käse, 2 Packungen Frischkäse, Butter, Gewürzgurke, Birne, Tee. Wenn das Brot frischer gewesen (oder nur die zweitbilligste Sorte aus der Brotfabrik gewesen wäre) wär das sogar als reguläres Frühstück bei mir durchgegangen (ich esse in der Regel abends warm und morgens keine Brötchen).

Mir fehlt es hier deutlich an Frischware – auch wenn ich hier keine frischen aromatischen Früchte wie in Afrika erwaren kann, sollte doch zu jeder Mahlzeit ’ne Apfel, Banane, Tomate etc möglich sein, und vieleicht auch noch zwischendurch was. Ich denke Vitamine sind wichtig.

Und wer gewinnt nun die Challenge? Ich würde sagen klares Unentschieden. Der Vorteil hier ist das das Essen sicher kommt und ich nicht zusehen muss jemanden zu finden der mir was holt. Und ostafrikanische Hausmannskost ist nun auch nicht gerade Gourmet-Küche. Dafür sind die afrikanischen Früchte ungeschlagen.

Mombasa – Kapstadt, Tag 12: Hannover

Wie geht es eigentlich meinem kleinen nervösen Motorrad? Es hat Spaß!

Hier an einer der wenigen Tankstellen in Malawi die Benzin hat. Arnos Huska 701 ist nämlich verstorben – ging während der Fahrt aus und seitdem stellt sie sich völlig tot und widersteht allen Reparaturversuchen.
Und wie sieht es hier bei mir aus: Gegen Abend gehts zum OP.

Es gibt eine Betäubung ins Rückenmark, dazu eine ordentliche Dosis Scheißegal-Tropfen. So habe ich die OP verschlafen. Scheint 3,5h gedauert zu haben, ein Röntgenbild an der Wand zeigt viel Metall im Bein und der OP-Saal sieht wie ein Schlachtfeld aus. Aber hat wohl geklappt, auch wenn ich noch keine Rückmeldung von den Ärzten habe – was ich wegen Scheißegal Tropfen ‚eh nicht hätte verstehen können.
Sie haben mir einen Schmerzkatheter ins Knie eingebaut. Wenns weht tut Knopf drücken und eine kleine Pumpe pumpt Lokal-Anästhetikum um den Nerv im Bein. Das war über Nacht mehrfach nötig…

Übrigens: Trick 17 wie mal als Kassenpatient zum Einzelzimmer kommt: Man lässt sich aus Afrika einfliegen. Dann gibts hier nämlich Isolierstation bis drei Abstriche zeigen dass ich keine neuen Bazillen einschleppe.

Mombasa – Kapstadt, Tag 11: Tanga – Hannover

Es ist soweit. Es geht los. Abfahrt ist um 0500, denn der nächste internationale Flughafen ist Mombasa und ist ein gutes Stück entfernt und erfordert einen Grenzübertritt. Ich hatte eigentlich 0500h afrikanische Zeit erwartet (also irgendwas zwische 0515 und 0545), aber der Fahrer stand tatsächlich um 0500h auf der Matte. Es ist ein Großraumtaxi, quer passt das Bein auf die Rücksitzbank.

Es ist um die frühe Uhrzeit wenig Verkehr und es geht gut voran. Nach etwas über einer Stunde ist bereits der Grenzübergang Tansania – Kenia erreicht. Der Fahrer kennt seine Pappenheimer, gegen ja 10.000TZH ’spezielle Bearbeitungsgebühr‘ gibt es den Ausreise- und Einreisestempel in Abwesenheit. Ich kann bequem im Auto sitzen bleiben.
Wir nähern uns Mombasa, es geht über die Likuni-Fähre ins Zentrum.

Wir sind früh dran, so dass noch Zeit für ein Frühstück in Mombasa bleibt. Es gibt Samosas aus einer unscheinbaren Straßenküche, die der Fahrer für die besten Samosas in Mombasa hält. Und vermutlich hat es damit recht.
Immernoch sehr zeitig 0930h bin ich am Flughafen, es sind noch 2h bis zum boarding. Aber besser zu früh als zu spät. Dann gehts los: Tschuß Afrika!

Die Reisekrankenversicherung hat mir Business Class gebucht – irgendwo muss das Bein ja untergebracht werden. Die Versicherung bekommt sicher noch Rabatt, aber auf dem Ticket stehen 2911,61EUR. Da wäre es der Versicherung sicher billiger gekommen die Operation in Tansania zu bezahlen. Schön, dass sie mich doch zurück geholt haben, obwohl es sich nur um ein Werbeangebot der Ergo-Direct handelt – für ca. 12,00EUR Jahresbeitrag.

Ausser Konkurenz der heutige Krankenhaus-Essenstest: Wäre der ganz klare Sieger.
Es geht los mit Hühnchen ‚Ballotine‘ an Kürbispuree, dazu Caprese Salat.

Weiter gegrilltes Red-Snapper Filet, Safranrisotto, Spinat, gebratene Paprika an Zitronen Tomaten Sauce

Zum Nachtisch Tarte mit karamelisierter Banane und Schokoladenmousse.

Das ganze mit Tiscdeckchen, Metallbesteck und Porzellantellern.
Es ist erstaunlich, wozu Convinience Food heute fähig ist wenn man wirklich will. Geschmacklich ist das von einem ordentlichen italienischen Restaurant nicht zu unterscheiden, und man muss schon genau hinsehen um Spuren des Wiederaufwärmprozesses zu finden. Aber wer weiss – vielleicht kocht der Italiener von nebenan aus der gleichen Quelle?
Das Abendessen ist nicht ganz so aufwendig: Salat, Maccheroni mit Parmesan und Tomatensauce und Tomatenkuchen.

So vergeht die Zeit im Fluge, um 1930h (zuzüglich 2h durch Zeitzonenwechsel) bin ich in Frankfurt, und von dort gehts mit dem DRK nach Hannover.

Wir nehmen trotz der späten Stunde noch einen Stau auf der A7 mit, 0030h bin ich dann im Frederikenstift in Hannover.

Dort werde ich schon erwartet und sie packen mein Bein erstmal wieder aus, röntgen nochmal und dann soll es morgen Früh in den OP gehen. Gute Nacht.

Mombasa – Kapstadt, Tag 10: Tanga

Heute ist der letzte Tag in Tanger im Bombo Regional Hospital. Morgen gehts nach Hause. Im Laufe des Tages bestätigt die Reisekrankenversicherung den Flug, es meldet sich der lokale Krankenwagenunternehmer für die Fahrt nach Mombasa. Aber ich merke, ich bin nicht gut im Warten. Ich bin noch nicht an Afrika akklimatisiert. Die haben hier alle die Ruhe weg.

Um 1600h kommt das Material für den Transportgips.
Um 1700h möchte der Versicherungsagent in Sansibar die Belege die bisher angefallen sind zugesanst haben. Will er mir wohl morgen noch erstatten…
Um 1900h soll dann der Transportgips endlich kommen – geht aber nicht da aus der Apotheke nur 1/4 des benötigten Materials gekommen ist.
Als erster Klasse Patient wollen Sie mir nämlich einen ‚Fiber Cast‘ machen, also Kunstoff statt Gipsbinden. Aber das geht ja nun nicht. Da muss ich wohl länger bleiben. Ich kann Sie dann überreden, dass mir auch ein traditioneller Gips recht Wäre….
Um 2100h ist dann doch noch das fehlende Material aufgetaucht und dann ist der Transportgips auch schnell gemacht. Soger als Fiber Cast. Aber in der Mädchenausführung 🙂 .

Und als Muzungu gibts natürlich Chefarzt-Behandlung – Dr. Mwambashi ist abends extra nochmal ins Krankenhaus zurück gekommen. Dankesehr!


Und was sagt der Krankenhausessens-Test heute: Pommes Frites Omlette (das ist hier tatsächlich ein übliches Essen das man immer wieder an Garküchen bekommt)…

…und frische Orangen. Da kann man nicht meckern.